Vielen Dank für Ihr Schreiben zur hausärztlichen Versorgung im Zusammenhang mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Wir haben in Deutschland ein sehr gutes Gesundheitswesen. Gerade die Hausärzte sind zentraler Teil der Versorgung, deren Bedeutung durch eine stärker lenkende Funktion noch gesteigert werden soll.
Ich sehe aber auch die Notwendigkeit von Strukturreformen des bestehenden Gesundheitswesens. Bereits jetzt besteht eine jährliche Lücke von 12 bis 15 Milliarden Euro in der GKV, obwohl jeden Tag über 1 Milliarde Euro zur Verfügung stehen.
Modellrechnungen des IGES-Instituts verdeutlichen das Risiko, dass die Beitragssätze künftig die Grenze von 20 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens überschreiten könnten. Dies hätte eine unmittelbare Steigerung der Lohnnebenkosten sowie eine signifikante Schmälerung der Nettoeinkommen zur Folge - eine Belastung, die auch viele Beschäftigte in den Hausarztpraxen und unter den Patienten betreffen würde. Ohne die Reform droht sogar eine Finanzierungslücke von bis zu 40 Milliarden Euro. Deshalb erscheinen auch aus meiner Sicht Sparmaßnahmen erforderlich, um das Versorgungssystem und die Finanzierung durch die Gesetzlichen Krankenkassen insgesamt zu stabilisieren! Dazu sollen zukünftige Vergütungsanpassungen der Leistungserbringer insgesamt an der tatsächlichen Kostenentwicklung sowie an der Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgerichtet werden. Das Bundesgesundheitsministerium hat dazu Vorschläge von einer sachverständigen Kommission erarbeiten lassen, die nun der Reform zu einem großen Teil zugrunde gelegt werden und die alle Beteiligten betreffen - von den Versicherten über Ärzte, Krankenhäuser und andere Leistungserbringer bis hin zur Pharmaindustrie.
Ich bin überzeugt, dass dies nicht zu unvertretbaren Leistungskürzungen führen muss, sondern dass ein guter Teil der Einsparungen auch durch effizientere Verwendung von Ressourcen erzielt werden kann. Beispielsweise ist die Anzahl der Arztbesuche in Deutschland deutlich höher als in unseren Nachbarländern. Hier ist schon durch eine bessere Steuerung vieles zu erreichen, gerade unter der Lenkung der Hausärzte, die ihre Patienten in der Regel am besten kennen. Das Bundesgesundheitsministerium erarbeitet deshalb derzeit einen Referentenentwurf zur Einführung eines Primärarztsystems mit dem Ziel, die Hausärzte zur regelhaften ersten Anlaufstelle zu machen. Damit werden Hausärzte künftig maßgeblich dazu beitragen, die Versorgung besser zu steuern und das Gesundheitssystem insgesamt zu entlasten.




